Die 7 Phasen des „Ich bau die Webseite selbst"-Projekts
Es war ein ganz normaler Sonntagabend. Ein Glas Wein, gute Laune, und plötzlich dieser Gedanke:
„Wie schwer kann das sein? Ich bau die Webseite einfach selbst.“
Was folgt, ist eine Reise. Eine sehr menschliche, sehr vorhersehbare Reise durch sieben Phasen – die erschreckend viele Selbstständige kennen. Vielleicht sogar du.
Phase 1: Die Euphorie
„Das mach ich an einem Wochenende."
Du hast einen YouTube-Tutorial gesehen. 12 Minuten. Der Typ hat in 12 Minuten eine komplette Webseite gebaut. Mit Animationen. Und einem Logo.
Du meldest dich bei Wix an. Oder WordPress. Oder Squarespace. Oder allen dreien, weil du erst mal „vergleichen“ willst.
Du wählst ein Template. Dann ein anderes. Dann noch eines. Nach 45 Minuten hast du 23 Tabs offen und ein sehr gutes Gefühl.
„Bis Sonntag Abend ist die Seite fertig.“
Phase 2: Die Schaffensphase
„Ich bin eigentlich ganz gut darin."
Du fängst an. Du verschiebst Blöcke. Du änderst Farben. Du entdeckst, dass du die Schriftart nicht magst und wechselst sie. Dann wechselst du sie zurück. Dann nochmal.
Du rufst deine beste Freundin an: „Schau mal kurz drauf – findest du das gut?“ Sie findet es gut. Du findest es plötzlich nicht mehr gut.
Irgendwann um 23 Uhr hast du eine Startseite, die „fast fertig“ ist. Du gehst schlafen. Morgen die Texte.
Morgen kommt nie.
Phase 3: Der Text-Block
„Was soll ich da eigentlich schreiben?"
Hier scheitern die meisten. Leise. Ohne Drama.
Du öffnest ein leeres Dokument und schreibst: „Herzlich willkommen auf meiner Webseite.“
Du löschst es wieder.
Du schreibst: „Ich bin [Name] und ich biete…“
Du löschst es wieder.
Du googelst wie andere das machen. Du landest auf der Webseite deiner Konkurrenz. Du findest sie schrecklich. Und trotzdem klingst du am Ende genauso.
Das Dokument bleibt offen. Minimiert. Für drei Wochen.
Phase 4: Die Ablenkungsphase
„Ich muss erst noch das Logo machen."
Die Webseite ist eigentlich fertig – außer den Texten, dem Foto, dem Logo, dem Impressum, der Datenschutzerklärung, dem Kontaktformular das irgendwie nicht funktioniert, und diesem einen Block der auf dem Handy komisch aussieht.
Aber erstmal: Logo.
Du entdeckst Canva. Du machst 14 Logo-Varianten. Du fragst drei Menschen. Alle finden verschiedene gut. Du nimmst die, die du am Anfang hattest.
Dann entdeckst du, dass du auch noch ein „Über mich“-Foto brauchst. Du machst 47 Selfies. Keines ist gut genug.
„Wenn ich mal ein gutes Foto habe, dann geh ich online.“
Phase 5: Der Technik-Abgrund
„Was ist ein SSL-Zertifikat und warum sagt Chrome meine Seite ist nicht sicher?"
Du wolltest nur „online gehen“. Plötzlich liest du Begriffe wie: DSGVO, Hosting, Domain-Weiterleitung, SMTP-Server, Cache leeren, PHP-Version, robots.txt.
Du hast ein Forum gefunden. Das Forum hat die Antwort. Die Antwort ist aus dem Jahr 2014 und funktioniert nicht mehr.
Du versuchst es trotzdem. Jetzt sieht die Startseite aus wie eine Fehlermeldung auf Weiß.
Du machst den Tab zu.
Du machst ihn wieder auf.
Du machst ihn wieder zu.
Phase 6: Die Verleugnung
„Die Seite ist eigentlich okay so."
Irgendwann – Wochen oder Monate später – ist eine Version der Webseite online. Sie ist nicht fertig. Sie ist nicht gut. Aber sie ist online.
Das Foto von dir ist aus dem letzten Sommer, leicht unscharf, vor einem Zaun. Der Text klingt nicht nach dir. Das Impressum fehlt noch. Auf dem Handy ist alles etwas… verschoben.
Aber du sagst dir: „Das reicht erstmal.“
Du schickst den Link niemandem.
Du hoffst, dass Google ihn auch nicht findet.
Phase 7: Die Erleuchtung
„Vielleicht hätte ich das jemanden machen lassen sollen."
Dieser Moment kommt meistens dann, wenn du eine Webseite siehst, die wirklich gut ist. Klar. Schnell. Überzeugend. Die Texte klingen nach einem echten Menschen. Das Design ist stimmig. Man weiß sofort, was man tun soll.
Und du denkst: Warum habe ich drei Monate meines Lebens damit verbracht, Schriftarten zu vergleichen?
Gute Frage.
Was danach kommt
„Vielleicht hätte ich das jemanden machen lassen sollen."
Die gute Nachricht: Du bist nicht allein. Diese sieben Phasen sind so verbreitet, dass ich sie fast täglich bei meinen Kunden wiedererkenne. Meistens kommen sie irgendwo zwischen Phase 5 und 6 zu mir.
Und dann bauen wir in drei Wochen gemeinsam das, woran sie monatelang alleine saßen.
Klar. Persönlich. Ohne Technik-Stress.
Wenn du gerade in Phase 3, 4 oder 5 feststeckst – ich bin um die Ecke. Buchstäblich.